Leinen los

so hört man die Kinder rufen. Was fehlt, ist eine handbreit Wasser unterm Kiel. Das ist die Crux. Wenn diese Kinder alt genug sind, vielleicht auf einem Schiff anzuheuern, wird es vielerorts unzählige Schiffe geben, die trockengefallen sind. So wie am Aralsee wird es immer mehr Binnengewässer geben die austrocknen, weil der Mensch aus unterschiedlichen Gründen in den Kreislauf der Natur eingreift.


Die Wasserentnahme aus Flüssen nimmt ständig zu. Mal ist es die Landwirtschaft, mal die Bevölkerung, die ungehemmt auf die Ressource Wasser zugreift. Wenn dann in den Binnengewässern der Zulauf von Flusswasser geringer ist als der Abfluss, ist die Austrocknung des Binnengewässers nicht mehr aufzuhalten. Das betrifft nicht nur den Aralsee, der einst das viertgrößte Binnengewässer der Erde war. Mit einer Fläche von 68 000 Quadratkilometern, so riesig wie ein Meer, verfügte dieser über eine große Fischvielfalt, viele Häfen und Badeorte. Heute ist fast der ganze See zu einer wasserarmen Landschaft verkommen. Auf salzverkrusteten Böden liegen gestrandete Schiffe, wie Mahnmale als Relikt vergangener Zeiten. Die Fischer sind weggezogen, Alles was einmal den Aralsee berühmt machte, gibt es nicht mehr.
Häfen und Kurorte liegen weit im Hinterland, ohne jemals  wieder für Mensch und Tier an Bedeutung zu gewinnen.

Weiter so. Es ließt sich fast wie das Who is Who der Binnengewässer bzw. Meere. Der Tschadsee in Afrika, der Chapalasee in Mexiko oder der Poopó-See in Bolivien, der einst das zweitgrößte Binnengewässer des Landes war. Viele dieser Seen waren so groß wie Meere. Weitere traurige stumme Zeitzeugen sind: Das Tote Meer und das Kaspische Meer, beide zählen jedoch zu den sogenannten abflusslosen Seen, ohne direkte Verbindung zu den Weltmeeren. In vielen dieser Seen nimmt der Salzgehalt ständig zu, weil das Wasser durch Wärmeeinstrahlung verdunstet, der Zulauf von frischem Flusswasser aber ausbleibt. Die Bevölkerung rings um das Tote Meer darf aber hoffen. Israel hat in Entsalzungsanlagen investiert, die Wasser aus dem Mittelmeer schöpfen. Diese pumpen unter hohem Druck das Meerwasser durch Plastikmembranen, bis Salz und Wasser voneinander getrennt sind. Auf diese Weise könnten die Süßwasserquellen des Landes entlastet werden. Der Jordan und der See Genezareth würden dem Toten Meer allmählich wieder Wasser zuführen und damit den Wasserspiegel anheben.

Andere Seen, wie die Großen Seen in Nordamerika enthalten Süßwasser, sind aber auch durch Umwelteinflüsse stark bedroht.

Vordergründig ist es der Mensch, der auch hier in die Natur eingreift. Die Industrien, besonders auch die industrielle Landwirtschaft in den Anrainerstaaten USA und Kanada, verbrauchen immer mehr Wasser als durch Niederschläge den Seen zugeführt wird. Fällt wirklich mal ein Starkregen, fällt dieser geballt auf die ausgetrocknete Erde und fließt oberflächlich ungebremst in die Flüsse ab. Die Folge ist, auch die Seen können die Wassermassen nicht aufnehmen und geben diese an die Abflüsse weiter. Bei ausbleibenden Regen fällt dann aber der Wasserspiegel in den Seen.

Der Lop-Nor-See in China ist auf diese Weise bereits 1972 total ausgetrocknet.

Weltweit ist zu beobachten, dass die Weltbevölkerung stetig zunimmt, die Niederschläge jedoch in großen Gebiete unserer Erde ausbleiben. Meist trifft es die ärmlichen Regionen, besonders aber die Landbevölkerung, die auf ausreichend Wasser angewiesen ist, um für sich eine gesicherte Ernährung zu gewährleisten. Was man in diesen Regionen erlebt, ist in Worten nicht zu beschreiben. Das Elend ist grenzenlos.